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Strecke
Start/Ziel: Kölblwirt Johnsbach
Distanz: 29 Kilometer
Aufstieg/Abstieg: 1 960 Höhenmeter

Tourenbeschreibung
Hinauf zur Ebneralm
Als ich um 6 Uhr in der Früh vom Kölblwirt in Johnsbach starte, sind die Parkplätze schon gut gefüllt. Es ist Wochenende und perfektes Bergwetter ist prognostiziert – kein Wunder, dass es die Leute auf die Berge zieht. Ich werde aber nicht wie die meisten direkt hinauf Richtung Hesshütte wandern, sondern habe mir etwas anderes überlegt.

Die ersten Kilometer laufe ich entlang der Straße, bis ich links zu den Parkplätzen der Ebneralm abzweige. Hier beginnt auch ein Wanderweg hinauf zur Ebneralm.
Dieser Abschnitt verläuft zum größten Teil im Wald, durch den sich der Weg nach oben zieht. Ich komme vorbei an einer großen Felswand, an der ich links vorbeiwandere. Weiter oben schafft es dann die Sonne, ihren Weg durch das Laub zu finden: Sanft taucht sie die Umgebung in rötliches Morgenlicht.
Nach rund 400 Höhenmetern erreiche ich die Ebneralm. Kurz halte ich hier inne und genieße den Anblick der Berge im Sonnenlicht.

Auf den Spuren der Almenrunde
Nach dem steilen Beginn werden die nächsten Meter wieder etwas einfacher. Ich laufe über einen breiten Naturweg und biege wenig später auf einen kleinen Pfad ab. Im Morgenlicht laufe ich hier durch das taunasse Gras.
Knapp unterhalb der Schröckalm mündet der Weg in eine Forststraße. Dieser folge ich weiter bergauf und erreiche so ein weiteres Almgebiet. Überall am Weg treffe ich hier auch auf Kühe, die für kurze Zeit aufhören zu grasen und mich neugierig mustern.
Häufig sind auch Kälber Teil einer Kuhweide. Hier sollte man vorsichtig sein, weil Mutterkühe ihren Nachwuchs verteidigen, wenn sie Gefahr wittern.
Mein nächstes Zwischenziel ist der Neuburgsattel. Hier könnte ich geradeaus weiter nach Radmer laufen. Jedoch zweige ich links auf einen Wanderweg ab, der zum Gspitzen Stein führt.

Durch den Märchenwald
Es folgt einer der schönsten Abschnitte der Tour. Nach ein paar etwas steileren Höhenmetern macht der Pfad einen Knick nach rechts und ich tauche in ein kleines Feuchtgebiet ein. Wollgras ziert den Weg, der sich – immer wieder über kleine Holzbalken – durch die Landschaft zieht.

Nur kurze Zeit später ändert sich die Landschaft völlig. Anstatt des Moors bewege ich mich nun durch felsiges Gelände, in dem Blumen in den unterschiedlichsten Farben blühen. Der Weg hier ist relativ schmal und wenig ausgetreten, wohl ein Zeichen, dass nicht viele Menschen hier in den Genuss dieser Landschaft kommen. Dennoch ist immer irgendwo eine Markierung zu sehen, was das Vorankommen einfach macht.
Die Landschaft ändert sich erneut und es wird etwas alpiner. Mein Pfad führt nun quer an einem Abhang entlang; hier ist jetzt auch etwas Trittsicherheit gefragt.
An einer bunten Blumenwiese habe ich mal ein bisschen Aussicht auf meine Umgebung. Unten im Tal befinden sich einige Häuser, die wohl zu Radmer gehören. Auf der anderen Talseite sehe ich den Zeiritzkampel, der mir als grüner Riese gegenübersteht.
Kurz bevor ich die große Almwiese am Gspitzen Stein erreiche, weist mich eine Tafel darauf hin, dass ich nun den Nationalpark Gesäuse betrete. Vor mir erhebt sich ein weiter Koloss: der Lugauer. Diesen Berg hebe ich mir aber für ein anderes Mal auf, und ich steuere links auf eine endlos wirkende Bergwiese zu.


Wer hinaufläuft, muss auch wieder hinunter.
Mangels Weg laufe ich querfeldein über die Wiese. Das Gras ist nass, meine Schuhe alsbald auch. Da es nicht kalt ist, ist mir das egal und ich genieße es, durch die Blumen zu laufen.
Am Ende der Wiese treffe ich auch wieder auf eine Kuhherde. Hier entspringt auch eine Forststraße, die mich nun erstmal bergab bringt. Mittlerweile habe ich 800 Höhenmeter im Anstieg hinter mir: also noch nicht einmal die Hälfte. Dennoch geht es für mich jetzt bergab: 500 Höhenmeter genauer gesagt.
Bis auf die schöne Aussicht auf den Tamischbachturm in der Ferne ist dieser Abschnitt wenig spannend. Die Straße windet sich gleichmäßig bergab, sodass ich mich gut auf den nächsten Anstieg vorbereiten kann

1 000 Höhenmeter für eine Aussicht
Der Übergang von bergab zu bergauf ist fließend. Habe ich gerade noch Höhenmeter um Höhenmeter verloren, gewinne ich nun langsam wieder an Höhe. Dazwischen lag nur eine kleine Abzweigung von einer Forststraße zur anderen.
Stück für Stück arbeite ich mich Richtung Sulzkar vor. Vorbei an ein paar Kühen versäume ich fast die Abzweigung auf den Wanderweg. Gerade noch rechtzeitig biege ich rechts auf eine kleine Brücke ab, die mich auf die andere Seite eines Bächleins bringt.
Kurze Zeit später stehe ich vor einem gelben Wegweiser. Ich könnte es mir jetzt einfach machen und geradeaus bis zum Sulzkarhund laufen. Der Sattel mit dem tierischen Namen würde mir einige Höhenmeter ersparen – aber auch den schönen Ausblick vom Gipfel verwähren. Also biege ich rechts ab und mache mich fast weglos auf zum Hochzinödl.
Viel vom Weg ist hier nicht zu sehen, aber ich weiß, dass ich einfach die steile Wiese nach oben muss. Unter einer kleinen Felswand beginnt dann eine etwas weniger steile Hangquerung. Aber schon wenig später werden die Anforderungen wieder größer. Um eine kleine Steilstufe zu überwinden, muss ich auch meine Hände einsetzen. Hier will jeder Höhenmeter gut verdient sein!
Das Gelände steigt stetig und steil an. Hauptsächlich verläuft der Weg über eine felsendurchsetze Wiese. Immer wieder benötige ich auch meine Hände, um mich zu stabilisieren.
Obwohl ich schon seit mehreren Stunden unterwegs bin, treffe ich hier auf den ersten anderen Wanderer. Wir tauschen uns kurz über die wunderbare Aussicht hinunter aufs Sulzkar und auf den Lugauer aus – eine willkommene kleine Pause, um durchzuatmen.

Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis das Gelände langsam wieder etwas leichter wird. Die Steigung nimmt leicht ab; der Weg führt nun durch Latschen hindurch, bis ich ein Plateau erreiche.
Nun wirkt der Gipfel des Hochzinödl zum Greifen nahe. Einmal noch kurz am Abhang entlang, die letzten steilen Höhenmeter hinauf, und ich stehe vor dem Gipfelkreuz. Das eigentliche Highlight hier ist aber die Aussicht: Vor mir erhebt sich das Hochtor, mit 2 370 Metern der höchste Berg im Gesäuse. Auch die Planspitze (2 117 m) und den Großen Buchstein (2 224 m) sehe ich von hier. Kurz blicke ich zurück hinunter ins Sulzkar – da habe ich schon einiges geschafft!


Mit Panorama ins Tal
Für den Weg zurück ins Tal entscheide ich mich für den Panoramaweg zur Hesshütte. Dieser ist kaum weiter als der Normalweg, führt jedoch etwas weniger steil erstmal an einem Grat entlang. So habe ich noch ein bisschen mehr Zeit, den Ausblick zu genießen. Nach einer 180-Grad-Drehung halte ich nun direkt auf die Hesshütte zu. Kurz bevor ich die beliebte Hütte erreiche, treffe ich auch wieder auf den Normalweg zum Hochzinödl.
Bereits am Zinödl war es mit der Einsamkeit des vorherigen Abschnitts vorbei. Aber ab der Hesshütte ist nun noch einmal deutlich mehr los. Im Abstieg nach Johnsbach kommen mir fortlaufend Gruppen von Wanderern entgegen.
Ich komme an der Abzweigung zum Sulzkar vorbei: Wäre ich vorhin geradeaus weitergelaufen, wäre ich genau hier zurück auf die Route gestoßen. Hier befindet sich auch der Gamsbrunn, genüsslich trinke ich ein paar Schlucke kaltes Wasser. Noch einmal komme ich vorbei an einer Alm, nach der ich dann endgültig unter die Baumgrenze eintauche. Diesen Weg bin ich schon oft gewandert, deshalb weiß ich auch, dass ich bald wieder im Tal angekommen bin.
Links und rechts von mir bilden die Bäume noch einmal ein Spalier, durch das ich meine letzten Meter zurücklege: Bis ich feierlich – nach dieser langen Runde – am Parkplatz vor dem Kölblwirt in die Zivilisation entlassen werde.

Fazit
Eine Runde mit zwei Seiten: Der erste Abschnitt verläuft einsam über Almen und wenig begangene Wanderwege. Vor allem der Abschnitt zwischen Neuburgsattel und Gspitzer Stein hat mir ausgezeichnet gefallen. Die Passage hinunter über die Forststraße ist wahrscheinlich am wenigsten interessant – aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.
Den Anstieg hinauf zum Hochzinödl sollte man keineswegs unterschätzen. Im unteren Abschnitt ist die Wegfindung gar nicht so einfach und später musste ich einige Male auch die Hände zur Hilfe nehmen.
Ab dem Hochzinödl trifft man auf den bekannten Teil der Gesäuse-Berge. Hier ist deutlich mehr los, spätestens ab der Hesshütte merkt man, dass man auf einer der beliebtesten Wanderungen in der Region unterwegs ist. Davon sollte man sich aber nicht zu sehr abschrecken lassen: Die grandiose Bergwelt lässt sich auch in Gesellschaft genießen.
Tipps
- Im Sommer sollte man früh loslegen: Erstens entgeht man der Sommerhitze, zweitens hat man so noch Chance auf einen Parkplatz. Bei der Rückkehr war kaum mehr etwas frei.
- Wer die Runde abkürzen möchte, kann vom Sulzkar über den Sulzkarhund laufen. Damit spart man sich einige Höhenmeter und den technisch schwierigsten Abschnitt.
- Der Panoramaweg ist auf jeden Fall lohnenswert, auch wenn er etwas weiter ist.
- Wer will, kann bei der Hesshütte einkehren.
- Beim Gamsbrunnen (Koordinaten: 47.556090, 14.654469) kann man sein Wasser auffüllen, die Quelle befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Abzweigung Hesshütte-Sulzkar.
