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Strecke
Start San Sebastián
Ziel Parkplatz auf der GM-1
Distanz 10,5 Kilometer
Aufstieg 740 Höhenmeter
Abstieg 320 Höhenmeter

Tourenbeschreibung
Es ist ein Vormittag im Dezember, als ich mich in San Sebastián – der Inselhauptstadt von La Gomera – zu meinem Lauf aufmachte. Hier auf der kanarischen Insel ist es angehnem warm. Der blaue Himmel macht Lust auf meinen ersten Trailrun auf La Gomera.
Mein heutiges Ziel ist der Ort Hermigua im Norden der Insel. Rund 25 Kilometer sollten es werden und 1.700 Meter im Aufstieg.
Vom Zentrum von San Sebastián geht es gleich mal bergauf. Es ist gar nicht so einfach aus den vielen Treppen, die den Berg hinaufführen, die richtige zu finden. Nachdem ich mich ein paar Mal verlaufen habe, beschließe ich nun einfach der Straße zu folgen.
Zwischen den Häusern entwickelt auch die Wintersonne hier im Süden eine ordentliche Kraft und so komme ich auch schon bei den ersten Höhenmetern ordentlich ins Schwitzen. Langsam laufe ich auf drei große Windräder zu und verlasse die letzte Siedlung der Stadt.
Nun geht es auch endlich weg von der Straße und ich setzte meinen Weg auf einem gut ausgebauten Weg fort. Hier finde ich auch wieder einmal einen Wegweiser des GR 132 – einer von zwei Weitwanderwegen, die hier um beziehungsweise über die Insel führen.
Noch ist die Vegetation relativ karg. Rötliches Gestein nimmt hier den meisten Platz in der Umgebung ein. Zwischen den Steinen wachsen vereinzelt Drachenbäume mit ihren verzweigten Ästen.
Ich bleibe kurz stehen und blicke zurück nach San Sebastián, das nun schon einige Höhenmeter unter mir liegt. Am Horizont ist auch Teneriffa gut zu sehen. Insbesondere der imposante Anblick des Teide – mit 3.715 Metern dem höchsten Berg Spaniens – beeindruckt mich.

Je höher ich komme, desto dichter wird die Vegetation. Zwar dominiert hier noch immer das rötliche Gestein, aber immer mehr grüne Farbtupfer von Sträuchern und Kakteen zieren die Umgebung.
Mit der gewonnenen Höhe wird es auch etwas kühler und eine leichte Brise macht sich bemerkbar: nach den ersten schweißtreibenden Kilometern eine willkommene Abwechslung.

Der Weg ist nun auch weniger steil und verläuft entweder entlang eines Grats oder quer über einen Hang. Vereinzelt wachsen hier auch Palmen. Andere Menschen oder Tiere zeigen sich jedoch kaum.
Während ich weiter Meter für Meter höher steige, fällt mir auf, dass die Sonne nun komplett verschwunden ist. War es beim Start meiner heutigen Tour noch wolkenlos, liegt über mir eine geschlossene Wolkendecke, der ich immer näher komme.
Vor dem Loslaufen hatte ich mich noch auf einer Wetterseite im Internet vergewissert, dass heute kein Niederschlag vorhergesagt wurde. Die ersten Regentropfen, die ich spüre, lassen mich jedoch an der Glaubwürdigkeit der Prognose zweifeln.
“Das ist sicher nur der Nebel”, denke ich. Jedoch ist das zu diesem Zeitpunkt wohl eher ein Wunsch als eine realistische Einschätzung, denn schon prasseln mir mehrere Wassertropfen ins Gesicht.
Ich bin froh, trotz aller Vorhersagen eine Regenjacke eingepackt zu haben, die ich nun schnell anziehe. Rechtzeitig bringe ich auch noch meine Kamera im Rucksack in Sicherheit.
Aus den vereinzelten Tropfen ist nun ein gleichmäßiger Regen geworden. Auch die Sicht ist auf wenige Meter geschrumpft.
Ich suche Deckung unter einem kleinen Felsvorsprung und analysiere kurz die Lage. Der Regen ist zwar nicht besonders stark, aber meine Hose und meine Schuhe sind bereits komplett durchnässt.
So ergibt es für mich nicht sehr viel Sinn weiterzulaufen. Schon bei der Planung habe ich an einen Abbruch gedacht und ich sehe, dass ich nur mehr wenige hundert Meter von der Abstiegsmöglichkeit entfernt bin. Also beschließe ich, die Route nicht fortzusetzen.

Ich kontaktiere meine Freundin, die bereits über mein “Exitszenario” Bescheid weiß, und informiere sie über meine Entscheidung. Danach geht es für mich wieder hinein in den Regen.
Der Weg unter mir wird langsam etwas rutschig und auch die Orientierung im Nebel macht meinen Weg nun anspruchsvoller. Umso mehr freue ich mich, als ich zwei Autos vor mir im Nebel auftauchen sehe. Von diesem kleinen Parkplatz führt nun ein asphaltierter Weg hinab zu einer der großen Hauptstraßen La Gomeras.
An der Straße angekommen, dauert es zum Glück nicht lange, bis ich eingesammelt werde.
Diese Tour hat mir eins gezeigt: Wetterprognosen auf La Gomera sind mit Vorsicht zu genießen.

Fazit
Bei meiner ersten Tour auf La Gomera habe ich gesehen, wie schnell sich das Wetter auf der Atlantikinsel ändern kann. Insbesondere im Norden kann das Wetter nasser und instabiler sein als im sonnigeren Süden.
Der Teil der Route, den ich gelaufen bin, war gut markiert und der Weg war breit ausgebaut. Durch die niedrige und spärliche Vegetation hat man zu jedem Zeitpunkt tolle Ausblicke – solange man sich nicht im Nebel befindet.
Mein Tipp für diese Tour: Sich nicht vom Wetter in San Sebastián verleiten lassen auf Regenkleidung zu verzichten. Besser zu viel Ausrüstung dabei als zu wenig.
