Mit seiner gelben Farbe und dem Boa-Verschluss fällt der La Sportiva Jackal II Boa erst einmal auf. Ich habe den Schuh nun seit 400 Kilometern im Einsatz und bin damit auch Rennen wie den Torlauf Dachstein 2025 gelaufen. Was taugt der Schuh? Ich habe es getestet.
Passform
Wie bei meinen anderen Laufschuhen auch habe ich auch den La Sportiva Jackal II Boa in Größe 44 gekauft und war bisher mit der Größe zufrieden. Also gibt es für hier keine Überraschungen, was die Schuhgröße betrifft.

Was auffällt, ist der relativ schmale Schnitt des Schuhs. Im direkten Vergleich zum Hoka Speedgoat 6 ist der gesamte Schuh über einen Zentimeter schmaler.
Es hat bei mir auch ein paar Läufe gedauert, bis sich der Schuh an meinen Fuß angepasst hatte. Beim ersten Lauf hatte ich sogar Scheuerstellen an der Ferse. Sobald der Schuh jedoch gut eingelaufen war, verschwanden auch diese Probleme.

Die Schnürung
Wo sich der Schuh natürlich von seiner Konkurrenz unterscheidet, ist die Schnürung. Er verwendet zwei unabhängig voneinander einstellbare Boa-Verschlüsse, was eine individuelle Einstellung der Festigkeit im vorderen und hinteren Schuhteil erlaubt.
Ich habe mir den Schuh unter anderem deshalb gekauft, weil ich wissen wollte, was diese besondere Art von Schnürung taugt, und ob es den Aufpreis wert ist (~30 Euro Unterschied beim UVP).
Tatsächlich habe ich durch den Boa-Verschluss viel öfter die Festigkeit während des Laufens verändert.
Unter anderem habe ich die Schuhe oft vor langen technischen Passagen fester eingestellt und sie beim Bergauflaufen etwas gelockert.
Der Verschluss lässt sich mit einer Hand bedienen, was die Umstellung sehr einfach – fast während des Laufens – durchführbar macht.
Der einzige Nachteil ist, dass die Festigkeit nicht Stufe für Stufe gelockert werden kann, sondern erst komplett gelöst und neu festgezogen werden muss.

Obermaterial
Meiner Meinung nach hat der Schuh einen etwas eigenwilligen Look. Bis auf den vorderen Teil ist der Schuh mit einer glatten Oberfläche versehen. Vorne gibt es ein paar atmungsaktive Bereiche.
Besonders ist auch der Einstieg. Man schlüpft in den Schuh wie in einen Socken. Rund um den Knöchel gibt es eine Gamasche, die das Eindringen von Schmutz verhindern soll – was jedoch nicht immer gelingt.
Grundsätzlich habe ich aber nichts am Obermaterial auszusetzen.

Mittelsohle
Im Vergleich zum Speedgoat 6 habe ich beim Jackal II Boa ein etwas weicheres Laufgefühl. Die Mittelsohle ist jetzt nicht besonders reaktiv, aber ich finde, La Sportiva hat hier eine gute Abstimmung gefunden.
Für Läufer, die zum umknöcheln neigen, könnte die Mittelsohle etwas zu wenig Stabilität bringen. Dadurch, dass der Schuh relativ schmal ist, hat man hier etwas weniger Sicherheit als beim breiteren Speedgoat 6.
Außensohle
Die Außensohle macht auf mich einen relativ weichen Eindruck. Jedoch hatte das bisher bei mir keinen Einfluss auf die Haltbarkeit. Auch nach 400 Kilometern ist das Profil noch gut erhalten.
Auch bei kürzeren Strecken auf Asphalt machte der Schuh für mich einen akzeptablen Eindruck. Da macht für mich der Speedgoat 6 weitaus weniger Spaß.
Bei nassen Bedingungen liefert die Sohle auch ganz gut ab. Jedoch gab mir dort mein Schuh von Hoka etwas mehr Sicherheit.

Einsatzgebiet
Laut Herstellerwebseite ist der Jackal II Boa für Ultradistanzen konzeptioniert. Mein längster Lauf damit waren 42 Kilometer, auf denen ich am Schuh nichts zu bemängeln hatte.
Ich hatte ihn sowohl auf einfachen Forststraßen als auch im alpinen Gelände im Einsatz. Durch seine Form ist er wendig und hat auch auf schmalen Pfaden Spaß gemacht.
Aber auch sogar vor kürzeren Asphaltpassagen braucht man sich mit dem Schuh nicht zu fürchten.
Zusammenfassend würde ich den Schuh von keinem Untergrund ausschließen.
Pro / Contra
Pro
- Boa-Verschluss
- Angenehmes Laufgefühl auf unterschiedlichen Untergründen
Contra
- Hoher Preis (205 Euro UVP)
- Etwas instabiler durch die schmale Form
- Braucht ein paar Läufe zum Eingewöhnen
Fazit
Hätte ich den Schuh nicht in einem Ausverkauf gefunden, hätte ich ihn wahrscheinlich nicht gekauft. Aber für 130 Euro hat bei mir die Neugierde auf den spannend aussehenden Schuh gewonnen.
Mittlerweile laufe ich mit dem Jackal II Boa öfter als mit dem Speedgoat 6. Vor allem den Boa-Verschluss würde ich mir gern auf mehr Schuhen wünschen. Schnell mal die Festigkeit zu ändern, ist etwas, woran ich mich mittlerweile gewöhnt habe.
Vom Laufgefühl ist der Schuh gut. Auch nach 30–40 Kilometern war der Schuh immer noch angenehm zu laufen.
Auch von der Haltbarkeit kann ich nach 400 Kilometern nichts Negatives sagen.
Für 205 Euro (UVP) würde ich mir den Schuh wahrscheinlich nach wie vor nicht kaufen, im Angebot sind sie aber auf jeden Fall eine interessante Option.
